Endlich Küste

So, so, so. Wir haben es geschafft uns von den von Wolken umhangenen Berggipfeln der Anden bis zu den Wolken umhangenen Mangrovensümpfen am pazifischen Ozean vorzukämpfen. Hallo San Lorenzo und danke Lonely Planet, dass du uns zu dieser einmaligen Erfahrung geführt hast. Nachts prasselt der Regen stundenlang mit einer Intensität vom Himmel, als würde einer das Meer über einem auskippen und tagsüber brütet dieses Dörfchen, das sich Stadt schimpft, lethargisch in seiner eigenen Suppe aus tropischer Hitze, schlecht gelaunt drein blickenden Einheimischen, zerfallenden Häusern ( von denen im besten Falle noch die Fassade vor 10 Jahren das letzte mal mit Farbe beworfen wurde ) und stinkenden Kochecken bei deren Anblick man am liebsten seinen Mageninhalt dem Essen hinzufügen möchte ( Ich übertreibe hier leicht. ). Viele Leute auf der Straße glotzen einen erbarmungslos an und man hat Angst, dass ihnen jeden Augenblick die Augen aus dem Kopf fallen könnten ( oder so manchem Typen die Hose platzt ). Wir sind nicht nur die einzigen Weißen in diesem Kaff direkt an der kolumbianischen Grenze ( und fallen damit naturgemäß sofort auf wenn wir auf die Straße treten ), sondern wahrscheinlich auch die einzigen Touristen. Da merkt man mal wieder wie sich ein Schwarzer in nem deutschen Dorf fühlen muss.

First Passage

Hat man sich irgendwann überwunden und fängt an die Menschen einfach zu grüßen, wenn sie einem wieder mit halb offenen Mund hinterher gucken, verwandelt sich ihr Gesicht meist schnell, ein breites Lächeln umgibt ihre Mundwinkel und zeigt die blitzeblanken Beisserchen ( oder manchmal halt das, was noch davon übrig ist ). Wer weiß, ob das in einem deutschen Dorf auch so funktionieren würde.
Das angeblich beste Hotel der Stadt ( natürlich unser ) wird von einem Pärchen geführt, so alt, dass sie wahrscheinlich noch mit Francisco Pizarro in Ecuador einmarschiert sind. Der Mann sitzt immer Zeitung lesend auf seinem Plastikstuhl neben dem Pool ( ja, es gibt nen Pool! Unglaublich. ), so dermaßen vertieft, dass man denkt er würde es nicht merken wenn man jetzt anfinge die Inneneinrichtung seines Hotels ( die eigentlich nur aus Plastikstühlen besteht ) vor seiner Nase herauszutragen. Vergisst man dann aber vor dem Gehen die Zimmerschlüssel an ihren Wandplatz zu hängen, steht er auf einmal eine Sekunde nachdem er noch saß auch schon fordernd neben einem. Sinne wie ein Adler hat er. Die Frau ist immer hilfsbereit und erklärt uns wo man alles findet, zeigt uns eine Wäscherei in einer Häuserecke, die ich ohne sie im Leben nicht als Wäscherei identifiziert hätte und betreibt vor dem Hoteleingang ihren eigenen kleinen „Laden“ ( eine Glasvitrine mit Duschbädern und anderem Hygienezeugs ). Und: Sie verkauft gekühltes Bier. Geil.
Die Betonwände der Stadt sind mit abbröckelnden Graffitis geschmückt die fröhliche Menschen zeigen, die aus einer anderen Zeit oder Welt zu stammen scheinen. Auf dem Kinderspielplatz um die Ecke stehen übergroße Plastikfiguren, die dort wahrscheinlich mal aufgebaut wurden um eine gemütliche, lockere Atmosphäre zu schaffen. Leider hat die Figuren seit Jahrzehnten keiner mehr geputzt, geschweige denn repariert. Und so verbreiten der über allem thronende Delphin mit dem von der Meeresluft zerfressenen Gesicht und die Mehrjungfrau unter ihm mit dem fehlenden Arm in Verbindung mit der überlaut quietschenden Schaukel heute eher das Gefühl man wäre gefangen in Silent Hill ( Horrorfilm :) ). Die Stadt scheint auch mal bessere Zeiten erlebt zu haben. Früher gab es eine Zugstrecke von hier bis zum beschaulichen Otavalo in den Bergen, doch seitdem der Zug nicht mehr tuckert, rollts auch in diesem Städtchen nicht mehr so richtig.
Das Städtchen liegt an einem großen Fluss, der Bergwasser aus den Anden in den Pazifik schaufelt, und hat einen Steg den sie „Hafen“ nennen. Der Steg läuft 100 Meter weit auf den Fluss hinaus und besteht aus einem unterliegenden Metallgerüst über das man irgendwann im vorletzten Jahrhundert mal Holzplatten gelegt hat. Das Holz ist so zerfressen, dass es Lebensmüde ist irgendwo anders, als direkt über dem Metall zu laufen. Unnütz zu erwähnen das oft genug auch Bretter fehlen oder einfach passenderweise Fuß große Löcher auf ihre Opfer warten. Auf dem Steg stehen Fischer und Verkäufer, laden kleine Boote ihren Fang des Tages aus und von hier fahren Boote ( Lanchas ) zu anderen kleinen Mangrovendörfern in der Umgebung.
Kontakte mit den Einheimischen sind leider eher spärlich gesät. Helfen tut wie immer der kulinarische Weg. Eines schönen Morgens frühstücken wir lecker an einer Straßenecke aus dem mobilen Essenseimertranporter einer älteren Frau ( Ein Fahrrad mit Aufbau, auf dem sie ihre verschiedenen Eimer mit Essen gestellt hat. Reis, Gemüse, Fleisch ). Alle machen das so, so scheint es, und darum dachten wir: Machen wir auch so. Wir kommen ein wenig mit der Besitzerin des Etablissements und ihrem Kellner ins Gespräch ( Ein Junge von vielleicht 18 Jahren der da halt rumhängt ) und sie fragen uns über alles aus was wir so treiben, sind aus dem Häuschen als wir erzählen wie viel wir für den Flug hierher ausgegeben haben und was wir in unserem „richtigen“ Leben so treiben. Sie geben uns noch Sicherheitstipps, die wir in den Tagen hier noch öfter zu hören bekommen.
Viele sagen uns hier sei es sehr unsicher und es gäbe viele Überfälle und Verbrechen ( „Delinquencia“ ). Das glaub ich irgendwie sofort. Aber wie immer gilt auch, die Menschen mit denen wir in Kontakt treten gehören zu der lieben Version. Sicherheitstipps bekommen wir in den kommenden Wochen auch immer wieder zu hören: Man solle nicht über jene Brücke gehen, oder dieses Viertel meiden, den Strand nach Einbruch der Nacht lieber nicht mit Wertsachen betreten und so weiter. All diese Sicherheitstipps können einen manchmal nervös machen, weil sie einem ja sicherlich nicht umsonst gegeben werden. Andererseits fühl ich mich mit ihnen sonderbar sicher und wohl behütet, weil sich schließlich alle um unsere Sicherheit sorgen und uns das Gefühl geben auf uns aufzupassen.
In San Lorenzo halten wir uns jedenfalls die meiste Zeit auf den zwei Straßen im Zentrum auf, laufen hoch und runter und gleich am ersten Tag haben wir unser Lieblingscafé direkt gegenüber des Hotels entdeckt, wo es den leckersten Kaffee der Stadt gibt.
Das Finden guten Kaffees in Ecuador eine Herausforderung zu nennen ist wie zu sagen auf der Sonne sei es etwas wärmer. Eine Untertreibung. Begeht man den Anfängerfehler und bestellt in einem der Restaurants oder Comedores ( Das sind die kleinen Kantinen in denen es immer das günstige Essen gibt, das auch die Einheimischen hier lieben ) Kaffee, stellen sie einem die Frage: Mit Wasser oder mit Milch? Leicht verdutzt könnte man in Versuchung kommen zu sagen: Ääääm, mit Milch? Woraufhin einem eine Tasse mit heißer ( oder lauwarmer ) Milch erwartet. Auf dem Tisch findet man dann hoffentlich eine Dose mit Krümelkaffee, die man dann genüsslich in seine Milch rühren kann ( Hätte man Wasser gesagt bekäme man halt ne Tasse mit warmem Wasser ).
Bedenkt man, dass in Ecuador fucking Kaffee angebaut wird, ist es eine Schande. Vor allem wenn man dann auch noch mit ansehen muss, dass der Instant Kaffee zusätzlich noch aus Kolumbien importiert wird. Arrrr. ( Es gibt wohl mehrere Gründe warum dem so ist. Der schwerwiegenste sei, dass die Ecuadorianer angeblich einfach seit vielen Jahren auf Instant Kaffee stünden und nichts anderes wollten. Außerdem misstrauten die Ecuadorianer wohl so ziemlich allem, was aus Ecuador kommt. Darum halt lieber aus Kolumbien. Bwahaha!!! ). Aber die Shoppingparadoxa hören hier nicht beim Kaffee auf. In den Supermärkten und auch in den kleinen Familienbetrieb-Tiendas quillen die Regale über mit Importprodukten. Und von diesen sind sicherlich 50 bis 60 Prozent von Nestlé und seinen kleinen und großen Drohnenmarken wie Maggi und co. Von Frühstücksmüsli bis zu Keksen. Überall steht Nestlé drauf und die Preise!!! OMFG! Alles was hier mal über die Grenze getragen wurde scheint unbezahlbar für normal sterbliche zu sein. Von Drogerie Artikeln ganz zu schweigen. Ich glaub ich erstell demnächst mal ne Preisvergleichstabelle…
In San Lorenzo gibt’s jedenfalls, welch Überraschung, Tassen mit heißer Milch wenn man Kaffee bestellt. Wenigstens haben wir von unserem Bäcker einen wunderbaren erste Reihe Blick auf eine Parade von Cowboys, die einen Tag mit ihren Pferden kunstreitend durch die Straßen laufen und ihre Pferde auf den Straßen mit ganz kleinen Schritten tanzen lassen ( Was weiß ich wie das im Fachjargon heißt. Sieht aber geil aus. ). Begleitend dabei: Pick-ups mit ihren Fan Gruppen auf den Ladeflächen, Reggeaton aus den Lautsprechern und die halbe Stadt hinter und neben ihnen zu Fuß unterwegs. Die Rancheros haben wohl irgendeinen Wettbewerb gewonnen. Na dann, herzlichen Glückwunsch.
San Lorenzo, dieser ( ungeschliffene ) Brilliant des Pazifik, war nicht unser erster Anlaufpunkt von Quito aus. Nach den Tagen dort ging es zuerst einmal zu einem kleinen, süßen Kaff im Norden namens Mindo, das mitten im sogenannten Nebelwald liegt. Was nach einem Königreich aus der Herr der Ringe klingt, sieht tatsächlich auch so aus. Das Dorf ist umgeben von grünen Bergen, voll gepackt mit Urwald und liegt auf ungefähr 1.000 Meter Höhe. Die Luft ist hier so weit abgekühlt, das sie nicht mehr ganz so viel Feuchtigkeit wie in den tieferen Urwald Gegenden aufnehmen kann. Gegen Abend, wenn die Sonne dann genug Dunst aus den tropischen Pflanzen gesaugt hat, kann die Luft ihr Wasser nicht mehr halten und der Nebel beginnt sich von den Berghängen aus durch den Wald bis in die Stadt zu schieben. Oftmals hüllt ein feiner Nieselregen die abendliche Stadt in eine mystische Decke und manchmal regnet es in Strömen.
Mit dem Bus von Quito kreuzt man auf dem Weg nach Mindo die Mitad del Mundo ( Mitte der Welt ), ein Monument das an der Stelle steht, an der irgendwelche Franzosen einmal den Äquator vermutet haben ( Fälschlicher Weise, wie von Franzosen zu erwarten war. Denn er liegt ein paar hundert Meter weiter Nördlich, harhar ). Wir fahren also einmal mit dem Bus über den Äquator. Wir sparen uns das Museum in der Mitad del Mundo, obwohl man wohl angeblich Highlights erleben kann a la Eier auf ihrer Spitze balancieren und Wasser das Nördlich des Äquators gegen den Uhrzeigersinn und ein paar Meter weiter südlich im Uhrzeigersinn das Klo herunter fließt ( Als Physiker muss ich an der Stelle leider enttäuschen: Diese Taschenspielertricks haben nix mit Äquator zu tun :) ).
Der Bus führt uns zum ersten mal über Straßen die sich durch den dicken Urwald schneiden. Links und rechts stehen Palmen, Baum hohe Gräser, und weiß der Botaniker was noch alles, dicht an dich und hängen ihre Blätter, so groß wie Menschen, auf die Straßen. Die Busse halten immer dort an wo jemand ein- oder aussteigen möchte, offizielle Haltestellen gibt es nicht. Manchmal halten die Busse an „Supermärkten“ oder Comedores, wo dann alle 20 Minuten Zeit haben ihre Besorgungen zu erledigen oder Mittag zu futtern. Busfahren in Ecuador ist extrem entspannt und damit auch seeeehr langwierig. Hier und da gibt es ein paar Häuser, vielleicht mal eine Farm oder ein Dorf mitten im Wald an dem man dann wieder anhält und der Fahrgasttausch weiter geht. Die Busfahrer kontrollieren mit stalinistischer, eiserner Faust die Musikbeschallung während ihrer Fahrten. Immer schallen lokale Popschlager durch die Boxen und meistens schallen sie in einer ohrenbetäubenden Lautstärke, dass man sich beinahe anschreien muss. Aber hey, es sind ja schließlich auch Partybusse und wenigstens gibt es überhaupt Musik. Da natürlich nirgendwo Preise für die Busfahrten dran stehen, habe ich auch konstant das Gefühl beim Busfahren von den Geldeintreibern übers Ohr gehauen zu werden. Doch 50 cent mehr oder weniger, wir habens ja schließlich.
In tropischen warmen Mindo angekommen finden wir auch gleich ein einladendes Hostel. Eigentlich ist es das Haus einer Familie, Miriam und Clever mit ihren beiden Kindern, von dem sie das obere Stockwerk in ein Hostel verwandelt haben. Wir haben sogar unseren eigenen Privatbalkon von dem aus wir das Dorfleben genau überblicken können. Miriam, die früher ein Internetcafé in der Stadt hatte, kümmert sich liebevoll um alles und da wir die Küche mit allen teilen und die einzigen Gäste im Hostel sind, fühlen wir uns gleich ein wenig als Teil der Familie. Am Abend kaufen wir einen großen Sack tropischer Früchte, den wir mit allen zusammen vernichten. Clever ist wohl so etwas wie ein Sozialarbeiter und sorgt für den Frieden im Dorf und in den Gemeinden in der Nähe, malt unglaublich schöne Vogelportraits, die das ganze Haus schmücken und kann ganz nette Geschichten aus dem Nähkästchen erzählen. Zum Beispiel über einen oder eine Gruppe von Bären ( so genau weiß man das nich ), die in wenigen Wochen 14 Kühe von Bauern in den Bergen in der Nähe gerissen haben. Am Ende waren die Bauern wohl so weit, dass sie bewaffnet auf Bärenjagd gehen wollten. Doof nur, dass Bären hier geschützt sind und so musste am Ende Clever zwischen Bauern und Polizei schlichten. Klingt nach nem spannenden Job, aber ich hoffe diesen blutdurstigen Bären nicht begegnen zu müssen. Wer weiß, wie sehr ich in deren Augen einer saftigen Kuh gleiche.
Um Mindo herum kann man so ziemlich alles machen, was das Abenteuer lustige Herz begehrt. In 6 zusammengebundenen Reifen sitzend den, für meinen Geschmack schon ziemlich stürmischen, Río Mindo herunter fahren, mit Winden an über dem Dschungel gespannten Drahtseilen entlang düsen ( teilweise bestimmt 100 Meter über dem Boden, wahlweise auch mal Kopfüber ), Tarzansprünge ( 20 Meter tief springen bevor einen das Seil auffängt..Als ich schreiend fiel dachte ich: Hätte der Guide mich nich geschubst, hätt ichs mir anders überlegt ), Wasserfälle herunter springen ( so 13 Meter…das war uns nix ) oder einfach nur durch den Urwald wandern.
Auf der Urwald Tour kommt man an insgesamt 6 bis 7 ( je nach Route ) Wasserfällen vorbei, die in einem Nationalpark liegen und durch kleine Wanderwege verbunden sind. Um in den Park zu gelangen, muss man von Mindo aus einen Berg erklimmen ( oder mit dem Taxi für 8 Dollar fahren…wir sind natürlich gewandert ) und von dort mit einer Seilbahn für 5 Dollar über eine tiefe Schlucht fahren ( Die Seilbahn ist ein wunderschöner Metallkorb ). Es gibt aber, wie wir von Clever wissen, auch einen günstigeren Eingang der noch weiter den Berg hoch liegt. Das lassen wir uns natürlich nicht 2 mal sagen und zu unserer Überraschung ist der Eingang nicht nur günstiger, sondern sogar völlig verlassen und damit kostenlos. Von hier aus läuft man halt nur von der anderen Seite in das selbe Tal hinunter, das man sonst mit der Seilbahn vorher ein mal überqueren würde. So what. Ein wenig nervös tauchen wir also zum ersten mal zu Fuß in den Urwald ein, die Augen immer die Umgebung nach Schlangen oder dergleichen abtastend ( Stadtkinder wie wir würden Schlangen wahrscheinlich ohnehin erst bemerken wenn sie uns auf den Kopf fallen oder sich im Knie fest beißen ), die ganzen verrückten Pflanzen bewundernd, die man noch nie vorher gesehen hat, und den noch nie vorher gehörten Geräuschen folgend. Der ganze Wald ist voll mit bunten Schmetterlingen, von denen keiner dem anderen zu gleichen scheint ( Wenn wir Nachts auf unserem Balkon das Licht anschalten, haben wir innerhalb von 10 Minuten auch einen Zoo an der Wand zusammen gesammelt der Schmetterlingssammler neidisch machen würde ) und Vögeln die vor einem hin und her huschen und immer mal wieder überquert man abenteuerlich zusammen geschusterte Brücken deren Design offensichtlich direkt aus Indiana Jones Filmen abgepaust wurde. Beim ganzen hoch und runter klettern scheint sich der Wanderweg manchmal vollkommen zu verlieren und man muss etwas mehr Klettern einlegen, oder von Stein zu Stein hüpfend einen Fluss überqueren, um zum nächsten Wasserfall weiter zu kommen.
Weil wir nach der Tour bis zum letzten Wasserfall schon völlig kaputt sind, entscheiden wir uns für den Rückweg doch die Seilbahn zu nehmen. Die netten Seilbahnmitarbeiter tragen die Namen aller, die in den Park fahren, fein säuberlich in eine Liste ein und wissen somit immer wer sich noch alles im Park befindet und können dann, im Falle von Bärenangriffen oder Alienentführungen, sofort Suchtrupps losschicken. Doofer Weise machen sie dann aber auch die Seilbahn dicht, sobald der letzte Tourist sicher zurückgekommen ist und da wir ja nicht auf der Liste stehen….aber zu unserem Glück treffen wir mitten im Wald noch ein anderes Pärchen, die auf der Rückkehrerliste stehen und mit denen wir den Berg hoch zur Seilbahn klettern. Von der Parkseite wird die Gondel dann gerufen, wie uns ein Bauarbeiter zeigt, den wir leider dafür aus seinem Mittagsschlaf wecken mussten, indem mit einem großen Stock ein paar mal gegen das Stahlseil gehauen wird. Praktisch, effektiv und umweltschonend. Auf der anderen Seite angekommen gucken uns die Seilbahnmitarbeiter zuerst etwas verwirrt an ( Mit uns hatte ihre Liste nicht gerechnet und bezahlt hatten wir ja auch nicht ) und wir einigen uns dann auf ein Bevörderungsentgelt von zwei Dollar.
Nachts werden die Straßen Mindos von Gruppen mehr oder weniger wilder Hunde übernommen, die sich jedes bisschen Futter gegenseitig streitig machen und regelmäßig in kollektives Geheule ausbrechen. Wenn die Hunde nicht heulen, krähen die Hähne ab Mitternacht jede halbe Stunde um die Wette. Sobald einer Anfängt sind 10 Sekunden später alle Hähne in der Stadt dabei den anderen zu zeigen, dass ihr Krähen zu leise oder zu schwach ist und dazu noch falsch im Ton liegt. Und es gibt vieeele Hähne und auch Hahnenkämpfe scheinen beliebt zu sein ( ein mal beobachten wir einen kurzen Probekampf auf der Straße ). Wenn die Hähne und die Hunde nicht zeigen, dass es ihre Stadt ist, reparieren die Jungs gegenüber unseres Hostels ihre Autos oder von der Dorfdisse aus schallt Reggeaton durch die Straßen. In Ecuador ist es außerdem Volkssport mit laufenden Motoren irgendwo anzuhalten, mit Leuten auf der Straße zu quatschen und dabei immer wieder das Gaspedal durchzudrücken. Das Benzin ist offensichtlich zu billig.
Und so ist immer was los in diesem kleinen Mindo, dass nur aus und für Touristen zu bestehen scheint und wir verleben hier eine ganze Woche bei unserer quasi Gastfamilie, bevor wir uns losreißen können und weiter ziehen.
Mit dem Partybus geht’s wieder über Quito, dem zentralen Umsteigehub der nördlichen Region, auf fast 3.000 Meter hoch, nach Otavalo. In Mindo lernen wir noch einen netten Typen aus Otavalo kennen, der auch mit uns zusammen die ganze Strecke fährt und uns in Otavalo bis zum Eingang seiner ( ausgezeichneten ) Hostelempfehlung bringt. Otavalo ist eine unscheinbar erscheinende Stadt, die aus flachen Häusern, ein paar größeren kolonialen Plätzen und einem riesigen Markt besteht und deren Stromleitungen effektvoll von buschigem Gestrüpp überwuchert werden. Der Markt soll zumindest am Wochenende riesig sein, wenn hunderte Indigene aus den umliegenden Dörfern hier her pendeln um Ponchos ( der Platz auf dem der Markt stattfindet nennt sich passender Weise Plaza de Ponchos ), Hosen, Teppiche und witzigen Krimskrams ( Schachbrett mit der epischen Schlacht Conquistadoren gegen Indigene ) an den Touri zu bringen. Als wir Montag Abend durch die Teppich behangenen, Labyrinthe bildenden Stände schlendern, die die Verkäufer schon langsam abbauen und während dessen nur noch halbherzig ihre Waren anpreisen, ist es angenehm entspannt und wir bekommen trotzdem einen Eindruck davon, wie es hier am Wochenende abgehen muss. Eine Kanadierin die in unserem Hostel absteigt hat auch ein interessantes Geschäftsfeld entdeckt. Sie kommt nach Otavalo, kauft Kleidung und bringt diese dann nach Kanada in ihren Laden um sie für teuer Geld loszuwerden.
Beeindruckender als Otavalo selbst sind die 3 Vulkane, die die Stadt umgeben und deren Gipfel schon beinahe an der 5.000er Marke kratzen. Wir machen uns auf den Weg zu einem erloschenen Krater namens Cuicoche ( Cui – Meerschwein und Coche – See ) der bis oben voll mit Wasser ist und in dessen Mitte sich zwei Inseln gebildet haben, von denen eine die Form eines Meerschweinchens haben soll. Auf dem Weg treffen wir ein brasilianisches Pärchen mit denen wir die halbe Strecke im Taxi teilen ( der Fahrer hat anstatt Duftbaum ein Ziegenbein am Rückspiegel hängen – fürs Glück, wie er sagt ) und mit denen wir einmal um den Kratersee wandern, der bis zu 200 Meter tief sein soll. Ein Einheimischer, den wir am Krater treffen, erklärt uns man brauche 2 Stunden für den Rundweg. Am Ende sind wir mindestens 5 unterwegs. Hoch, runter, hoch, runter. Wow! Merke: Wenn dir Indigene in den Bergen sagen, wie lange sie für einen Weg brauchen, multipliziere mit 2 für eine realistische Stadtkinder-Zeiteinschätzung. Der Blick von den Klippen aus über den See und die in majestätischer Stille am Horizont stehenden Vulkane ist unbezahlbar und die Anstrengung und den Sonnenbrand wert.
Wir wollen so schnell wie möglich weiter zur Küste und endlich das Meer sehen und folgen deswegen den verlockenden Beschreibungen des Reiseführers von den Mangrovensümpfe der nördlichen Küste rund um San Lorenzo. Wir hoffen auf einen Zug von Otavalo nach San Lorenzo und wandern zum Bahnhof. Doch müssen wir leider feststellen, dass 10 Jahre alte Reiseführer ihre Nachteile haben. Die Zugstrecke entpuppt sich als größtenteils eingestellt und nur noch ein paar Kilometer werden von einem Tourizug befahren, in dem man sich für 50 Dollar einkaufen muss. Um weiter nach San Lorenzo zu kommen müssen wir also improvisieren und erst mal mit einem der Partybusse in eine Stadt namens Ibarra, die weiter Richtung Norden liegt.
Ibarra sieht wie eine größere Version von Otavalo aus und das einzige sehenswerte scheinen hier die beiden großen Kolonialplätze zu sein, die in der Mitte der Stadt liegen und umgeben sind von netten Säulengängen, schicken Cafés und Restaurants und unzähligen Schuhputzern, die versuchen über die Runden zu kommen.
So richtig viel gibt’s hier leider nicht und die Sonne brennt erbarmungslos auf uns herab, während wir das Wenige erkunden. Eine Aussichtsplattform auf einem Hügel direkt außerhalb der Stadt bietet eine übergroße Erzengel Michael Statue ( Keinen Plan warum ) und einen tollen Blick auf Ibarra und den Vulkansee Yahuarcocha. Yahuar bedeutet Blut und Cocha, wie oben, See. Der Bluuuutsee. Das klingt nicht nur mysteriös und voller Gore, sondern das ist es auch. Kurz bevor der alte Genuese Kolumbus dachte endlich Bollywood entdeckt zu haben, waren die Inka bereits voll dabei Südamerika ordentlich aufzumischen. Sie waren vom heutigen Peru aus in Ecuador einmarschiert und wollten Chef spielen, was den alten Herren des Königreiches Quito gar nicht so gefiel. Die ließen lange und erbittert gegen die Eroberer kämpfen und eine der Schlachten dieses Krieges ereignete sich am Ufer des Yahuarcocha und war wohl weniger eine Schlacht als viel mehr ein Schlachten. Die siegreichen Inka ließen tausenden Männern und Jungs der besiegten Quitenos die Kehlen durchschneiden und in den See werfen, der sich danach blutrot färbte.
Am Hauptplatz der Stadt finden wir den bisher leckersten Kaffee Ecuadors. Natürlich in einem Café, dass betrieben wird von einem Kolumbianer! Und gebraut mit Kaffee aus Kolumbien. Direkt nebenan gönnen wir uns am Abend noch eine Pizza in einem Laden der von einem deutsch-italienischem Pärchen betrieben wird. Wir unterhalten uns noch gut mit dem Italiener ( der natürlich fürs Pizza machen und unterhalten zuständig ist, während seine deutsche bessere Hälfte die Organisation übernimmt ) und treffen auf dem Nachhauseweg den kolumbianischen Kaffeekocher wieder, der auf der Straße vor seinem Laden in einen Hula Hoop Wettbewerb mit der ( angeblich ) ecuadorianisch nationalen Hula Hoop Meisterin verwickelt ist. Wir steigen natürlich mit ein. Was soll ich sagen, there was no competition there…
Nach einer Nacht machen wir uns auf den Weg, um endlich der Sierra den Rücken zu zu kehren und die lang ersehnte Küste zu besuchen. Voller Vorfreude denken wir: San Lorenzo, wir koooommen!!!!!

Schreib einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *